Chronik

Die Ursprünge des Gesangvereins reichen weit ins 19. Jahrhundert zurück. Musik und Gesang hatten in Effeltrich schon immer einen hohen Stellenwert. Lückenhafte Dokumente erschweren allerdings die Rekonstruktion der Geschichte des Vereins. Die Protokoll Bücher aus der Zeit vor 1918 gingen nämlich durch den 1. Weltkrieg verloren. Die ältesten Aufzeichnungen datieren aus dem Jahre 1923. Von Zeitzeugen dieser Zeit können wir nachvollziehen wann der Stammverein „Liederkranz Effeltrich“ gegründet wurde. In der ehemaligen Effeltricher Musikkapelle und im noch bestehenden Kirchenchor St. Georg liegen nachweislich die Wurzeln des Gesangvereins. Darüber ist in der oben genannten Niederschrift folgendes berichtet.
Auf Anregung der damaligen Musikkapelle und des Kirchenchores unter der Führung des Kapellmeisters Johann Förstel (Hs. Nr. 99) wurde der Gesangverein „Liederkranz Effeltrich“ 1888 gegründet. Unter seiner Leitung beteiligten sich noch 15 weitere Bürger aus Effeltrich an der Gründung. Der Sitz des Vereins war die damalige Gastwirtschaft Schmitt Hs. Nr. 20 (Heute Gasthaus Merkel).

Kronprinz Ludwig von Bayern bei seinem Besuch in Effeltrich vor der Linde mit den Honoratioren und der Fahne des Gesangvereines im Hintergrund (rechts)

Kronprinz Ludwig von Bayern bei seinem Besuch in Effeltrich vor der Linde mit den Honoratioren und der Fahne des Gesangvereines im Hintergrund (rechts)

Als der Stammverein „Liederkranz Effeltrich“ 1888 gegründet wurde, war Bayern eine befriedete Monarchie. In diesem Zusammenhang kann als ganz besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte erwähnt werden, dass der „Liederkranz“ beim Besuch dem damaligen Kronprinzen und späteren bayerischen König Ludwig III, am 12. Juni 1912 in Effeltrich zu Ehren gesungen hat. Chorleiter war damals der erste Bürgermeister Johann Förstel (Haus Nr. 99) eines der maßgeblichen Gründungsmitglieder. Kronprinz Ludwig hat damals den ganzen südlichen Landkreis Forchheim besucht. Unter anderen den Neubau der Lagerhalle der Obstbaumzucht und Verkaufs-Genossenschaft.
Der 1. Weltkrieg und die Revolution 1918 mit den politischen Unruhen in Bayern führten zu Unterbrechungen in der Vereinstätigkeit und zu großen Opfern unter den Sängern.
Nach der faktischen Abdankung des bayerischen Königs Ludwig III. überdauerte unser Verein auch die kommunistische Räterepublik.

Nach dieser schweren Zeit und vielen Meinungsverschiedenheiten im „Gesangverein Liederkranz“, wurde im Unterdorf ein zweiter Gesangverein der „Liederverein Effeltrich“ gegründet. Dieser Verein hatte einen Männerchor und einen gemischten Chor. Geprobt wurde im Gasthaus zur Linde. Der Liederkranz Effeltrich blieb weiterhin im angestammten Vereinslokal und feierte am 3. Juni 1923 das 25 jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe unter der Patenschaft des Liedervereins Forchheim. Die Fahne wurde zum größten Teil mit Naturalien wie Getreide, Kartoffeln, Obstbäume und ähnlichem bezahlt.

Das größte Sängerfest der damaligen Zeit im deutschsprachigen Raum fand 1928 in Wien statt. Dieses Sängerfest wurde von einer Abordnung des Liederkranzes besucht.

Auf Druck der Nazi-Diktatur wurden die beiden Vereine gezwungen sich bei einer gemeinsamen Generalversammlung am 12. Oktober 1933 zu einem Verein den Gesangverein Effeltrich zusammenzuschließen. Bei Veranstaltungen wurden beide Fahnen mitgeführt. Geprobt wurde mit dem Gemischten Chor im Gasthaus Schmittlein und mit dem Männerchor im Gasthaus Kotz.

Wie schon der erste Weltkrieg so, forderte auch der zweite Weltkrieg viele Opfer aus den Reihen der Sänger. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden von den Siegermächten sämtlich Vereine verboten. Erst 1947 wurde dieses Verbot aufgehoben. Danach belebten die ehemaligen Mitglieder den Gesangverein Effeltrich neu und führten ihn nach wenigen Jahren zur höchsten Blühte.
Da während der Besatzungszeit durch die Amerikaner die 1923 geweihte erste Fahne verschwunden ist, wurde beim 75 jährigen Gründungsfest Pfingstmontag 1952 bei einen großen Fest die jetzige Fahne geweiht. In dieser Zeit hatte der Verein die größte Anzahl von Sängerinnen und Sängern. 20 Frauen und 50 Männer sangen in den beiden Chören.

Mit dem Chorgesang erfüllte der Gesangverein in der dörflichen Gemeinde steht’s eine wichtige Funktion bei den verschiedensten Anlässen.

Fahnenweihe Liederkranz 1923

Gesangliche Darbietungen in Effeltrich waren bei Einweihungs-, Gedenk-, Jubiläums- und Ehrungsfeierlichkeiten seit jeher Ehrensache. Dabei wurden immer wieder Liederabende in eigener Regie veranstaltet. Nicht zuletzt deshalb und für seine Chorkonzerte, die der Gesangverein seit Anfang der siebziger Jahre alljährlich in der Effeltricher Turnhalle der Öffentlichkeit darbietet, wurde ihm am 25.5.1974 die Hans-Sachs-Plakette des Landkreises Forchheim verliehen.

Anlässlich seines 100-jähriges Bestehen, wurde dem Gesangverein am 15.05.1988 während eines Festaktes im Mainfränkischen Sängerkreis in Alzenau, die vom Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker verliehene höchste Auszeichnung im Chorgesang, die Zelter-Plakette überreicht. Diese öffentlichen Auszeichnungen sind ein sichtbares Zeichen erfolgreichen Wirkens des Gesangvereins. Wesentlichen Anteil am Erfolg hatten die Chorleiter und die Vorstände.

Johann Förstel (Hs.Nr. 99) leitete den Chor von der Gründung 1888 an vermutlich einige Jahre lang bis zur Übernahme der Chorleitung durch Leonhard Wallner der von 1882 bis 1901 Lehrer in Effeltrich gewesen ist. Danach war ein Vorstand und Bürgermeister Johann Förstel bis zu seinem Tode 1916 auch wieder Chorleiter. Die Amtszeiten der Dirigenten nach dem 1 Weltkrieg sind wie folgt nachgewiesen:

1918 – 1927 ⋅ Leonhard Holzmann
1927 – 1939 ⋅ Heinrich Mähringer
1933 – 1939 ⋅ Anna Mähringer
1946 – 1949 ⋅ Franz Badum
1949 – 1953 ⋅ Hans Pinsel
1953 – 1956 ⋅ Alfons Seiler
1956 – 1956 ⋅ Hans Pinsel
1957 – 1964 ⋅ Johann Kolb
1965 – 1965 ⋅ Lehrer Brehm
1965 – 1966 ⋅ Ferdinand Häfner
1966 – 1970 ⋅ Johann Pinsel
1970 – 1985 ⋅ Armin Schnackig
1985 – 1987 ⋅ Jürgen Klatte
1987 – 1995 ⋅ Regina Klatte
1995 – 2000 ⋅ Gertraud Jordan
2000 – 2016 ⋅ Armin Redwig
2016 – 2017 ⋅ Thomas Leyer
2017 – 2018 ⋅ Jan Doležel
2018 –           ⋅ Magdalena Meister

Das Amt des ersten Vorstandes hatte im Stammverein Liederkranz und im Gesangverein inne:

1888 – 1916 ⋅ Johann Förstel (Hs. Nr. 099)
1918 – 1949 ⋅ Konrad Kotz (Hs. Nr. 020)
1949 – 1953 ⋅ Konrad Bayer (Hs. Nr. 050)
1953 – 1956 ⋅ Michael Hofmann (Hs. Nr. 044)
1956 – 1967 ⋅ Johann Malter (Hs. Nr. 134)
1967 – 1971 ⋅ Konrad Meister (Hs. Nr. 040)
1971 –  2002 ⋅ Georg Kotz (Hs. Nr. 001)
2002 – 2017 ⋅ Annelies Wagner
2017             ⋅ Thomas Mayer

Diesen Persönlichkeiten ist es im Zusammenwirken mit den Mitgliedern gelungen den Fortbestand des Gesangvereins über all die schwierigen Jahre zu sichern. Zurzeit fehlen in allen Chören die jungen Sänger. Durch die jetzige Vorstandschaft unter der Leitung der Vorständin Anneliese Wagner wurde in den Jahren 2010 ein Kinder und Jugendchor sowie ein Pop-und Gospelchor gegründet von dem man sich Nachwuchs für die Chöre erhofft.

 

 

Beitrag von Johann Wisheckel